Das Rainer Regimentsmuseum
auf der Festung Hohensalzburg
- Tradition und Gegenwart -

von Bgdr i.R. Erich LEX

Auf der Festung Hohensalzburg befindet sich seit dem Jahre 1924 das Rainer - Regiments - Museum, dem die ehrenvolle Aufgabe zukommt, das Andenken an das ehemalige Salzburger Hausregiment, das k.u.k. Infanterieregiment Nr.59 "Erzherzog Rainer" lebendig zu erhalten.

Dieses Regiment wurde im Jahre 1682 anläßlich der neuerlich drohenden Türkengefahr aus dem Südosten Europas und der zweiten Türkenbelagerung von Wien aufgestellt und nach Beendigung des Weltkrieges I und dem Zusammenbruch der k.u.k. österreichisch - ungarischen Monarchie im November 1918 aufgelöst.

Nach Gründung der 1. Republik und Schaffung des neuen österreichischen Bundesheeres übernahm vorerst das Alpenjäger - Bataillon Nr. 3 und danach das Infanterie - Regiment Nr. 12 die Pflege der "Rainertradition".

Mit Eingliederung dieses Bundesheeres in die Deutsche Wehrmacht im März 1938 wurde das 1. Bataillon des Gebirgsjägerregimentes 137 als Traditionsträger der "Alten Rainer" bestimmt.

Nach Ende des Weltkrieges II und mit der Wiedererlangung der Wehrhoheit übernahm im Jahre 1967 das neue Bundesheer die Traditionspflege der "Alten Armee": Damit wurde in Salzburg ein schon seit 1957 inoffiziell bestehender Kontakt zwischen den Rainern - vertreten durch den Rainerbund - und den Soldaten des Bundesheeres sanktioniert. Bemer-kenswert ist, daß bereits 1960 die Kaserne Glasenbach die Bezeichnung "Rainerkaserne" erhaften hat.

Mit der Heeresreform 1998 wurde das in dieser Kaserne untergebrachte Jägerregiment 8 aufgelöst; die Traditionspflege der Rainer ging nun auf das Militärkommando für Salzburg über.

In sieben großen Räumen auf der Festung Hohensalzburg werden die Geschichte des Regimentes von der Aufstellung bis zur Auflösung, die Ausrüstung der alt - österreichischen Infanterie, die Geschehnisse an der russischen und italienischen Front im Weltkrieg I, weiters das Bundesheer der 1. und 2. Republik sowie das Gebirgsjägerregiment 137 der Deutschen Wehrmacht dargestellt; ein eigener Raum ist dem tristen Leben in der Kriegsgefangenschaft gewidmet. Eine umfassende Bibliothek rundet das Bild dieses modern konzipierten Museums ab. Ein sehr instruktiver Führer durch das Rainer - Regimentsmuseum ist an der Kassa erhältlich.

An das Salzburger Hausregiment, dem k.u.k. Infanterieregiment "Erzherzog Rainer Nr. 59" erinnern in der Stadt Salzburg die Rainerstraße mit einem Gedenkstein (kurz nach dem Schloß Mirabell stadtauswärts auf der linken Straßenseite), ein Obelisk vor dem Eingang zum Kommunalfriedhof (Obuskehre), eine Gedenkstätte auf der Festung Hohensalzburg, das Denkmal in der Kaserne Glasenbach und die Rainerstube im ehem. Hotel Pitter (heute Crown Placa Inn).

Die Tradition des Regimentes wird vom Rainerbund - Gebirgsjägerkameradschaft Salzburg und Hallein, dem Rainerbund Ried i. Innkreis, Haag a. Hausruck und St. Pantaleon - Ostermiething, der Salzburger Traditionsgruppe Erzherzog Rainer (in Traditionsuniform) sowie der ebenfalls in alt-österreichischen Uniform auftretenden Rainermusik aufrechterhalten, wobei die Eigenständigkeit all dieser Vereinigungen hervorzuheben ist.
Das Rainerregimentsmuseum ist wert, gerade von Ihnen besucht zu werden, da doch viele der jüngeren Generation in der Kaserne Glasenbach - der Rainerkaserne - ihren Wehrdienst abgeleistet haben; so mancher der Älteren hat in Salzburg beim 1. Österreichischen Bundesheer im IR. 12 bzw. beim AJB. 3 und später im Gebirgsjägerregiment 137 gedient, und einige werden sich noch an Erzählungen ihrer Väter und Großväter, den "Alten Rainern", aus dem Weltkrieg I erinnern.

Besuchen Sie das Museum des Salzburger Hausregimentes, dessen Marsch ja die heimliche Landeshyme unseres Bundeslandes ist!

Ansprechpartner für Fragen aller Art ist der Kurator des Museums, Herr Karl Polansky (Telephonnummer +43/662/822252), der auch für die Organisation von Gruppenführungen im Rainerregimentsmuseum verantwortlich ist; hiebei ist eine vierzehntägige Voranmeldung erwünscht!
Nähere Auskünfte über Tarife der Festungsbahn sowie über das Eintrittsentgelt für die Festung mit dem Burgmuseum erteilt das Büro der Festungsbahn unter der Telephonnummer 0662/8884 - 9750.

Musketier 1682Fahnenträger - Zugsführer 1900Feldmäßige Ausrüstung 1914

Kurze Regimentsgeschichte 1682 - 1918:

Errichtung des Regimentes im Jahre 1682 mit den Erzherzogtümern Ob und Unter der Enns (heutiges Oberösterreich bzw. Niederösterreich) als Ergänzungsbereiche.

1816 - nach dem Wiener Kongreß und der endgültigen Säkularisierung und Einverleibung des Fürsterzbistums Salzburg in den Verband des Kaiserreiches Österreich - wurde das Infanterieregiment Nr.59 aus dem Erzherzogrum Ob der Enns (OÖ) nach Salzburg verlegt und damit zum Hausregiment von Salzburg und dem angrenzenden Teil des heutigen Oberösterreich; der Ergänzungsbereich dehnte sich weit nach Oberösterreich aus.

1852 wird Erzherzog Rainer Ferdinand, ein Neffe Kaiser Franz Josefs I., letzter Regimentsinhaber; seitdem trägt das Regiment die Bezeichnung ,,Rainerregiment". Nach dem Tode von Erzherzog Rainer am 27. Jänner 1913 wurde kein weiterer Regimentsinhaber mehr ernannt. Kaiser Franz Josef hat mit Armeebefehl vom 30. Jänner 1913 anbefohlen, daß das k.u.k. Infanterieregiment Nr. 59 auf immerwährende Zeiten den Namen "Erzherzog Rainer" tragen soll: Somit war die offizielle Bezeichnung dieser Einheit "k.u.k. Infanterieregiment Erzherzog Rainer Nr.59" geschaffen.

Den Ersten Weltkrieg erlebten die Rainer sowohl an der Ostfront im Kampfe gegen das kaiserliche Rußland als auch an der Südwestfront im Krieg gegen das Königreich Italien, von wo das Regiment am 10. November 1918 geschlossen unter seinem letzten Regimentskommandanten Oberst Richard von Schilhavsky in Salzburg eintraf.

Mit dem 12. November 1918 endete die durchgehende Geschichte dieses alt-österreichischen Regimentes.

Uniformierung:

Egalisierung orange-gelb; Knöpfe gelb.

Regimentsgedenktag:

15. Mai 1916; Durchbruch durch die italienische Front bei Folgaria im Verband des XIV. Korps.

Rainermarsch:

Komponist: Musik-Feldwebel Hans Schmid (20. November 1893 - 27. Mai 1987)
Ur-Text von Musik-Korporal Josef Schopper (mehrfach geändert!)

1
Hoch Regiment der Rainer, als tapfer allbekannt,
wir schützen uns're Heimat und unser Vaterland. Wir Siegen oder sterben, für unser Heimatland,
die Feinde wir verderben, hoch Salzburg, unser Land!

2
Hoch Regiment der Rainer, wir stehen fest zur Wehr,
wir stürmen und wir schlagen, mit Kolben und Gewehr.
Die Feinde müssen weichen, sie kennen uns're Hand,
kein Regiment desgleichen, hoch Salzburg, unser Land!

3
Vom Inn bis zu den Tauern, reicht unser Heimatland,
kein Feind soll es erschauen, mit Waffen in der Hand.
Kein Feind kann uns bedrohen, so lang's noch Rainer gibt,
denn Mut in Kampfeslohen zeigt, wer die Heimat liebt!

4
Habt Acht!
Der Weltkrieg hat gefordert, viel tapf'res Rainerblut,
mit rauher Hand zertrümmert, so manches Hab und Gut.
Am Feld der Ehre blieben, getreu bis an das End,
fünftausend Kameraden, vom Rainer-Regiment!
Ruht!

Anmerkung:
Uraufführung am 11.09.1915 im Schloß von Olyka (Galizien); die vierte Strophe wurde nach dem Weltkrieg I eingefügt. Der Rainermarsch war in der Gendarmerie Schule OÖ II Linz-Ebelsberg das am meisten ge-sungene Marschlied, da der überwiegende Teil dieser Einheit aus Salzburg stammte, zumal in diesem Bundesland keine Formationen der B-Gendarmerie stationiert waren.